Auszeichnungen für die Karawane


Sächsicher Förderpreis für Demokratie

„Karawane der Vernunft“ ist der Name einer Initiative, welche im Frühjahr diesen Jahres mit einem Autokorso auf der Bundesstraße 96 den „stillen Protest“ einiger Anwohner*innen konfrontierten. Grund für die Aktion, welche u.a. von Partysahnen e.V., Gewerkschaften und dem Gerhart Hauptmann Theater Görlitz/Zittau organisiert wurde, waren die mit dem „stillen Protest“ verbundenen rechtsextremen, reichs- und verschwörungsideologischen Inhalte, welche hier vertreten werden. Die Initiative engagiert sich damit in schwierigen Zeiten und in einer für demokratische Akteur*innen nicht einfachen Region für die Stärkung demokratischer Positionen.

 


Theodor Heuss Medaille

„Stehen wir gemeinsam füreinander ein!“, so lautet eines der Ziele der Initiative „Karawane der Vernunft“ des Vereins Augen auf – Zivilcourage zeigen e.V.. Unter dem Motto „Paradiesvögel statt Reichsadler“ wehrten sie sich mit einem Auto-Korso gegen rechte Proteste gegen Corona-Maßnahmen, die im Juni 2020 entlang des ostsächsischen Teils der Bundesstraße 96 stattfanden. Um den Raum wieder für die Demokratie zurückzuerobern, zogen mutige Engagierte kreativ und friedlich durch die Straße.

 

Die Bundesstraße 96, die „ostdeutsche Route 66“, ist eine Straße mit Geschichte: Sie war eine zentrale Verkehrsachse der DDR und stand für die Sehnsucht nach Freiheit. Im Herbst 1989 zogen sich Lichterketten gegen das SED-Regime entlang dieser Straße durch die ganze DDR. Im Juni 2020 prägten stattdessen Gegner von wissenschaftsbasiertem Diskurs, Demokratie und Rechtsstaat das Straßenbild.

 

Bei Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen seit Anfang Mai standen zunehmend Neonazis, Reichsbürger*innen und Verschwörungstheoretiker:innen im Vordergrund. Rechte Proteste mit schwarz-weiß-roten Fahnen, auch die Farben des nationalsozialistischen Regimes, bestimmten die Szenerie und riefen Erinnerungen an schlimme Zeiten hervor. Dieses Bild war für Anwohner:innen und Durchfahrende unerträglich und sandte ein fatales Signal über den Zustand der Demokratie in Ostdeutschland.

 

Die Initiative „Karawane der Vernunft“ des Vereins Augen auf – Zivilcourage zeigen e.V. nahm diese Präsenz des Rechtsextremismus nicht länger hin. Sie wollte zeigen, dass Anhänger:innen des deutschen Reiches nicht das Volk sind und die Meinungshoheit im öffentlichen Raum für die Demokratie zurückerobern. So schlossen sich am 14.06.2020 Menschen mit über 30 Fahrzeugen in einem Auto-Korso zu einem friedlichen Protest zusammen. Mit geschmückten Autos, bunten Fahnen und ausdrucksstarken Plakaten setzten die Teilnehmenden zwischen Zittau und Bautzen ein Zeichen für Vernunft, Solidarität und Demokratie. Ganz nach ihrem Motto „Paradiesvögel statt Reichsadler“ standen sie für Vielfalt und Kreativität und setzten sich gegen Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt zur Wehr. Mit von der Partie waren Menschen aus Gewerkschaften, Vereinen und anderen Organisationen, Künstler:innen, Vertreter:innen von Kirchen, Unternehmen, Parteien – und einfach demokratisch gesonnene Bürger:innen aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen.

 

Dieses Engagement erforderte jedoch Mut! Bereits im Vorfeld erlebten die Teilnehmenden massive Drohungen. Während des Korsos wurden sie beschimpft und angefeindet. Rechtsextreme zeigten Hitlergrüße, sprangen auf die Fahrbahn, warfen mit Eiern, wendeten Gewalt an und spuckten in die Autos. Wer sein Nummernschild nicht abgeklebt hatte, musste im Anschluss mit Hakenkreuzschmierereien an Autos und Häusern rechnen. Auch in den sozialen Medien wurde gehetzt. Die Engagierten wurden zu einem Feindbild der Rechtsextremen. Doch: „Man muss aufstehen, wenn es unbequem wird“, davon ist Dorothea Schneider überzeugt. Sie steht dem Verein Augen auf – Zivilcourage zeigen e.V. vor, der die „Karawane der Vernunft“ initiierte. Der Verein setzt sich seit 2001 mit vielfältigen Aktionen wie Konzerten, Theaterstücken, Fußballturnieren, Bildungs- und Jugendarbeit für Demokratie und Solidarität in der Lausitz ein. Er vernetzt die demokratische Zivilgesellschaft, damit sie gemeinsam entschlossen gegen Rechtsextreme auftreten kann.

 

Engagiert und mutig machte die „Karawane der Vernunft“ des Vereins Augen auf – Zivilcourage zeigen e.V. so eine breite Öffentlichkeit auf die rechte Radikalisierung aufmerksam. Mit ihrer findigen Aktion zeigte sie, dass die Oberlausitz hinschaut und gemeinsam handelt. Die Initiative ist ein Vorbild für Zivilcourage gegen Rechtsextremismus. Denn das Motto „Stehen wir gemeinsam füreinander ein!“ gilt in Zeiten von Corona und darüber hinaus!